Überleben in der Roda – Wie komme ich als Anfänger in der Königsdisziplin der Capoeira zurecht?




Als Capoeira-Anfänger hat man fast immer Angst, in die Roda zu gehen. Vielleicht fürchtet man sich vor Verletzungen. Die meisten werden allerdings vor allem von den vielen auf sie gerichteten Augen eingeschüchtert. Dazu kommt das Bewusstsein der eigenen Unterlegenheit – klar, denn anfangs ist jeder Partner in der Roda fortgeschrittener als man selbst.

Auch ich habe mich als Anfängerin sehr gesträubt, in die Roda zu gehen – selbst im Training. Ich dachte, wenn ich denn erst mal fortgeschritten wäre, würde diese Angst vor der Roda von allein verfliegen. Ein Trugschluss. Niemand, der das Spiel in der Roda vermeidet, kann auf lange Sicht wirklich fortgeschrittener Capoeirista werden.

Aber keine Sorge, ihr seid nicht allein! Auch Fortgeschrittene fühlen sich in sehr guten Rodas häufig erst mal beklommen und selbst Capoeira-Meister haben sicher ab und zu Angst davor, sich zu blamieren. Sie haben aber gelernt, mit diesen Gefühlen umzugehen.

Die gute Nachricht ist: das anfängliche Unwohlsein verfliegt in den meisten Fällen schnell. Die schlechte ist: die Liebe zur Roda lernt man nur in der Roda. Es dauert einige Zeit, um die anfängliche Scheu abzulegen und der Weg dorthin führt über Gewöhnung, nicht über die im Training erlernten Techniken (auch wenn diese natürlich helfen).


Mestre Cigano gibt Anfängern (auch fortgeschrittenen Capoeiristas tut es manchmal gut, sich daran zu erinnern!) für die Roda die folgenden Tipps*:


  • Gehe so oft wie möglich in die Roda. Das gilt auch, wenn du noch nicht so viele Bewegungen kannst. Du trainierst dadurch das „In-die-Roda-hinein-und-raus-Gehen“ und verlierst deine Aufregung. (…)

  • Achte auf die Musik, bevor du in die Roda gehst. Die Musik gibt dir Orientierung, je nach deiner Emotion beruhigt oder motiviert sie dich. (…)

  • Beobachte andere in der Roda. Durch bewusstes Beobachten kann man extrem viel lernen. (…)

  • Versuche dir folgende technischen Grundsätze zu bewahren: Halte Blickkontakt, Arme hoch und immer in Bewegung bleiben.

  • Für den Fall, dass du ein Hektiker bist: Weniger ist mehr. Versuche dich ruhig und klar mit der Ginga zu bewegen. (…)

  • Für den Fall, dass du sehr gemütlich bist: Gib Gas! Versuche dich immer schnell und mit Power zu bewegen. (…) Habe die innere Einstellung, als würdest du kämpfen und nicht spazieren gehen. (…)



*Hier bei handelt es sich um einen gekürzten Auszug aus Mestre Ciganos Capoeira Guide (S. 73/74).